Buchemotion zu Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten von Kristina Pfister

13.6.2017

 

 

Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten ist der erste Roman von Kristina Pfister und erschien im Tropen Verlag / Klett Cotta.

 

„Wie wird man die Person, die man gerne wäre?“ Kristina Pfister 

 

Zum Inhalt


Annika ist Mitte zwanzig, macht das ein oder andere Praktikum, das sie jedoch für sinnlos erachtet. Dabei hat sie ihren Abschluss in Kulturwissenschaften in der Tasche und es gäbe tausende Möglichkeiten. Stattdessen ist sie gefangen in einer trostlosen Melancholie der Möglichkeiten, ohne eine davon zu nutzen. Und dann ist da Marie-Luise, das Mädchen von gegenüber mit dem aufregenden Leben, dem Porzellangeschirr und der Lebensfreude. Das schiere Gegenteil von Annika, fremd und faszinierend. Durch einen Zufall steht sie vor Annikas Tür, sie verlieren sich aus den Augen und begegnen sich wieder, was für Annika treibender Motor wird, etwas zu tun.  

„Ich meine, man muss aufpassen, dass freihändig Fahrrad fahren nicht das einzige Abenteuer bleibt, das man je erlebt hat.“

 

Meine Meinung

 

„Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten“ strotzt nur so vor wundervollen Bildern und Szenen, die lange im Kopf des Lesers nachhallen. Ich habe mir selten so viele Stellen als Zitat markiert, wie in diesem Buch, es ist poetisch, seicht und doch gewaltig, wie ein Bach, von dem man weiß, dass er irgendwann in einen reißenden Strom mündet – und doch wartet man darauf. Und es passiert nicht.

 

 „Ich fragte mich, ob dumme Leute immer mutiger sein würden als ich, weil sie einfach weniger nachdachten.“ Kristina Pfister 

 

Die Handlung an sich plätschert seicht vor sich hin und bietet nicht sonderlich viele Überraschungen, keine Spannung oder gar Liebesgeschichte. Sie ist wie das echte Leben, alltäglich und doch ist man mittendrin und kann nicht umhin sich zu fragen, ob und wie sich das alles ändern wird. Man ist nah an Annika dran, manchmal zu nah, kann ihren Schmerz und den Wunsch nach Veränderung so deutlich spüren, dass man auf sie zugehen und ihr helfen möchte. Doch man ist machtlos und genau dieses Gefühl ist es auch, das einen durch das Buch begleitet. Was stellt man an mit der Leere am Ende des Studiums, mit den tausenden Möglichkeiten, die vor einem liegen, wie eine dunkle Bedrohung? Was ist mit den alten Freundschaften, die nur noch aus falschem Pflichtgefühl bestehen und erkaltet sind? Und ist der Wunsch nach Veränderung groß genug, um am Ende über die Melancholie zu siegen, ohne dass dies Not täte? Die Fragen bleiben offen. Sie verursachen Wellen aus Gedanken, die weite Kreise ziehen. Wann bist Du bereit, etwas zu ändern? 

 

 „Ich spürte mein Herz schlagen. Es war ein holpriges Gefühl, als wäre es aus dem Takt geraten. Als wollte es auf sich aufmerksam machen.“ Kristina Pfister 

 

Fazit

„Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten“ hat mich mitgenommen und sehr überzeugt. Es ist ein Porträt einer Generation der Möglichkeiten, die keine Not kennt und genau dadurch in die Not gerät, sich für eine Richtung zu entscheiden und sich in diese zu bewegen. Das Buch wird mich in Gedanken sicher noch eine ganze Weile begleiten und ich kann es jedem empfehlen, der Abenteuer nicht nur in Fantasygeschichten sucht. Von mir gibt es 5 von 5 Kleeblättern 🍀🍀🍀🍀🍀

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