Komm auf die dunkle Seite, wir haben Bücher hier: Wenn der Buch-Blogger von der Ausnahme zur Regel mutiert

19.7.2017

 

 

Noch vor ein paar Jahren kannte man sie kaum in der Literaturszene: Die Blogger. Eine unbekannte Spezies, die irgendwann - so ca. in den Jahren 2015-2017 einen Boom erlebte. Dieser Boom hat nur ein sogenanntes Problem mit sich gebracht: Vermeintlich und oft diskutiert gibt es immer mehr Blogger, aber immer weniger Leute, die Zeit haben, Blogs zu lesen. Ein Phänomen, das sich im Übrigen genauso auf Autoren beziehen lässt. „Warum alle schreiben und keiner liest“ hieß der Titel einer Session beim Literaturcamp in Heidelberg dieses Jahr. Mal ganz abgesehen davon, dass die Session inhaltlich das Thema verfehlte, ist das eine Frage, die mich absolut beschäftigt und die mich dazu angeregt hat, darüber zu schreiben. Damit das dann am Ende keiner liest. Oder vielleicht doch? 

 

Aber was macht so einen Blog eigentlich aus und wie kommt man dazu, einen zu eröffnen? Zu allererst soll man ja vor seiner eigenen Tür kehren, denn darüber ist es einem auch erlaubt, ein Urteil zu fällen. Ehrlich? Ich habe früher keine Ahnung von Blogs gehabt. Ich habe viel und gerne gelesen und irgendwann angefangen, mich in Gruppen auszutauschen. Die ersten Posts von Bloggern in diesen Gruppen ließen sich noch leicht ignorieren, aber irgendwann wurden es immer mehr. Und immer mehr drängte sich mir ein Gedanke auf: Wenn ich ohnehin meine Rezensionen bei den Verkaufsportalen online stelle, warum tue ich das dann nicht auf einer Seite? Gesagt - getan: Kurzerhand habe ich eine Facebook-Seite eröffnet.

 

Meine Anfänge? Ich wollte (natürlich!) anders sein, mich von anderen Blogs abheben. Dabei habe ich versucht, etwas zu sein, das ich nicht bin. Aber was bin ich denn? Ich bin eben ich - mit all meinen Macken (wie der Tatsache, dass ich mich schlecht kurzfassen kann), meinen Leidenschaften, meinen Verrücktheiten und der überbordenden Kreativität, die mich antreibt. Und allein das ist doch schon etwas, was andere nicht haben: Mich. „Lebe Deinen Blog“ hieß die Session von Anna von Ink of Books beim LitCamp, die genau das ausgesagt hat, was ich in den ersten Monaten meines Bloggerdaseins gelernt habe: Es reicht, man selbst zu sein und das zu zeigen, was man ist. Und es wird immer Leute geben, die einen mögen - oder eben auch nicht. Aber die gibt es doch im wahren Leben auch. Wenn ich so authentisch mit meinem Blog bzw. meiner Social-Media Präsenz umgehe, wie ich es mit Freunden im wahren Leben tue, kann ich vieles gewinnen. Vor Allem Follower, die ernsthaft an mir interessiert sind und die dazu bereit sind, sich mit mir als Person über Themen auszutauschen. Ob das dann „reine“ Follower sind, Blogger-Kollegen oder auch Autoren, ist das denn wichtig? Ich sage nein.

 

Warum sollte allein die Tatsache, dass es schon viele Blogs gibt, uns denn in irgendeiner Form ärgern oder hemmen das zu tun, was wir lieben? Gegenfrage: Hindert die Tatsache, dass es viele Bücher gibt, die Autoren daran, weitere zu schreiben? Ebenfalls bin ich der Meinung, dass es nicht der Fall ist, dass keiner mehr das Geschriebene liest. Denn was ich bei mir selbst und viele meiner Blogger- und Autorenfreunde erlebe, ist ein lebendiges Netzwerk mit einem tollen Austausch. Es lebt von den Menschen und der Vielfalt. Es schenkt mir immer wieder neue Ansichten, neuen Input, neue Ideen und ich erfahre ganz viel Rückmeldung und Zuspruch. Und die Ideen sind es doch, von denen Blogs und Bücher leben. 

 

Einzig eine Sache ist es, die mir Gedanken macht: Das Thema Zielgruppe. Wenn ich plötzlich weiß, dass ein hoher Anteil meiner Follower selbst Blogger oder Autor ist, aber auch einige Leser dabei sind (wie es laut einer Umfrage auf Facebook bei mir der Fall und vermutlich nach allem, was ich weiß, auch die Regel ist), dann ist das nicht schlecht, aber ich kann viel gezielter darauf eingehen. Mit einem Blog, auf dem nur Rezensionen geteilt werden, verfehlt man die meisten Menschen innerhalb der Zielgruppen Blogger und Autoren - denn die sind oft schon voller Leseinspiration aus ihren Netzwerken und finden kaum Zeit, auf weitere Empfehlungen einzugehen. Und da sehe ich uns Blogger alle in der Pflicht, uns nochmal ordentlich Gedanken dazu zu machen und mit dem, was wir haben - mit uns selbst und unseren kreativen Ideen - mehr auf die verschiedenen Zielgruppen einzugehen. Und da darf man ruhig mal vom Standard abweichen. Es muss nicht immer das Autoreninterview oder die Blog-Vorstellung sein. Ich selbst hab da schon das ein oder andere im Hinterkopf und bin gespannt, wie meine Ideen dann bei euch Anklang finden.

 

Bis dahin kann ich jedem nur Mut machen, das zu tun, für das er leidenschaftlich einsteht - denn es kann nie genug friedlich miteinander interagierende Menschen geben, die auf dieser Welt eine schöne Leidenschaft miteinander teilen. 

 

PS: Meinen Erfahrungsbericht zum LitCamp könnt ihr übrigens hier nachlesen 

 

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